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der heilige Hyazinth

Der heilige Hyazinth

 

Weiter fuhren wir, ja immer weiter. Wir hatten ja Zeit. Es kam uns immer merkwürdiger vor. Wir befanden uns inmitten der Einsamkeit des Berges, nichts als steiniger Boden und diese Stacheleichen, oder wie auch immer die auf Deutsch heißen mögen. Bäume mit Früchten wie Eicheln aber kleinen harten stacheligen Blättern.

 

Endlich war da etwas. Also es war ein dürftiger Holzzaun, der ein wohl sehr großes Gelände umzäunte. Die Bäume waren dort etwas höher, so dass der größte Teil in angenehmem Schatten lag. Vereinzelt waren kleine Holzkioske zu sehen und direkt vorne links ein etwas größerer Kiosk. Davor ein kleiner runder Tisch mit ein paar Stühlen und ein Mann, der dort saß und uns ansah. Ich hielt an: „Wir haben da etwas von einem heiligen Hyazinth gelesen.“ rief ich ihm zu. Freundlich nickte er und meinte: „Ja, da seid ihr hier richtig. Steigt aus, ich zeig euch alles.“

 

Ganz langsam – schnell können sie ja nicht mehr – folgten wir dem Mann. Erst ein paar Stufen hinauf in das Gelände, dann über unebenen Boden weiter geradeaus und schließlich einen kleinen Bogen nach rechts. Während wir dort lang gingen erzählte ich ihm von den Autos, die an der Straße gestanden hatten. Er wunderte sich mindestens so wie wir darüber.

 

Da war sie! Vor uns die Kirche des heiligen Hyazinths! Nein, kein Altertümchen, im Gegenteil: vor 10 Jahren erbaut. Eine Kirche in genau dem Stil, in dem diese Rundbauten der Hirten gebaut waren, und gen Osten noch ein zweiter etwas kleinerer Rundbau daran, so wie zwei sich schneidende Kreise. Innen ganz schlicht, nur eine mannshohe Ikone des heiligen Hyazinths in weißem Gewand. Er ist der Schutzheilige der Verliebten, erfuhren wir. Ein in Griechenland ziemlich bekannter Sänger, Ludwig aus Anogia (o Λουδοβίκος των Ανογίω&nu hatte diesen Ort gegründet. Ein Stück weiter befand sich ein neues ganz im antiken Stil gebautes Amphitheater. Dort finden jeden Sommer während der letzten Juliwoche Festspiele statt: die Hyazinthia. Sänger, Theatergruppen, verschiedene Intelektuelle aus dem In- und Ausland treten dort auf. Die Vorstellungen beginnen abends um 10 Uhr und gehen bis 2. Das muss herrlich sein, einfach so unter dem Sternenhimmel mitten in der Einsamkeit des Berges. Die Leute schlafen dann dort im Freien. In den Kiosken werden Produkte aus dem Dorf angeboten.

 

Langsam gingen wir wieder Richtung Eingang. Er lud uns ein, uns etwas mit ihm an den Tisch zu setzen. Da kam noch ein Wagen. Zwei Frauen grüßten und gingen zum Kirchlein, kurze Zeit später ein Wagen mit zwei Männern. Hätte ich nicht erwartet, dass so viele Leute noch kämen. Vielleicht auch nur ein Zufall. Aristidis, so hieß unser „Wirt“ brachte herrlichen selbst gemachten Käse, kleine Oliven, süßes Brot und Raki. Und er legte da zwei Bücher auf den Tisch. Ich nahm eins. Es war ein Gedichtband. Mantanades. Das sind Zweizeiler, in der Regel Liebesgedichtchen aber auch andere Lebensweisheiten. Mein Onkel hatte das andere Büchlein in der Hand und bemerkte, dass der Mann auf dem Umschlag Aristidis sei. Ich schaute erstaunt und fragte ihn. Ja, er sei Schäfer und Dichter. Und er hatte tatsächlich zwei Bändchen rausgebracht. Eins sogar bei einem angesehenen Verlag. Ich war platt. Wir erzählten noch eine ganze Menge und irgendwie stimmte die Chemie, wie man so schön sagt. Jedenfalls bleiben wir in Kontakt.

Hier eine Kostprobe von Aristidis Chairetis:

 

Πάντα με το χαμόγελο την ξεκινώ την μέρα

γιατί ‘σαι πρώτη σκέψη μου άσπρη μου περιστέρα

 

                             Αριστείδης Χαιρέτης

 

 

Mit einem Lächeln auf den Lippen

beginn ich jeden Tag

da du das erste bist, woran ich denke

oh, weiße Taube, wie ich dich mag.

 

2.7.08 12:34

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