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Der kleine Safa


Es war einmal ein kleiner Schneckerich namens Safa. Er wohnte tief im finstern Wald. Ganz allein lebte er dort. Wohl hatte er ein paar Freunde, die ihn auch täglich besuchten, aber so richtig glücklich war er eigentlich nicht.

Nun traf es sich, dass diesen Teil des Waldes viele Passanten durchquerten. So sah Safa fast jeden Tag neue Leute und es wurde ihm auf diese Weise nie langweilig. Zusammen mit seinem Freund Idgo, dem Lurch, verbrachten sie die langen dunklen Abende. Manchmal hatten sie Gesellschaft von anderen Bekannten, manchmal blieb ein Passant, dem der Wald gefiel, für eine Weile dort, manchmal waren sie aber auch einfach nur ganz allein. So vergingen die Jahre, ohne dass etwas Bemerkenswertes geschah.

Da verirrte sich eines Tages eine Schlange aus der benachbarten Savanne in den dunklen Wald. Sie sah sich neugierig um. Alles war so anders, so kalt, so dunkel. Sie war an das Licht der Sonne gewohnt und fand sich kaum zu Recht in dieser fremden Welt. Als Safa sie erblickte, winkte er ihr freundlich zu, so wie er es mit allen Passanten tat. Tabea, die Schlange, war froh, endlich jemanden gefunden zu haben. Lange saßen beisammen und erzählten sich Geschichten. Tabea mochte den kleinen Safa und so kam sie ihn von da an immer öfter besuchen. Sie erzählte ihm von ihrer Welt, vom Licht, von der Sonne, der Helligkeit. Ihm gefielen ihre Erzählungen und sie liebte es, wenn er so da saß, und ihren Worten lauschte. Tabea liebte ihre Welt und war sehr glücklich dort. Und deshalb wollte sie dem kleinen Safa ein wenig von ihrer Munterkeit abgeben. Er kam ihr so betrübt vor.

Nun begab es sich eines Tages, dass Safas Freund Camix ihn besuchen kam. Camix war ein wunderschön gefiederter stolzer Vogel. Seine Federn schillerten im Dunkel des Waldes und Safa mochte ihn ganz besonders. Er war stark und selbstbewusst und wusste viel von der großen Welt. Das imponierte Safa und er bewunderte ihn ob seines selbstsicheren Auftritts. Camix seinerseits hatte mit Schlangen sehr böse Erfahrungen gemacht und erschrak nicht schlecht, als er sah, dass sein Freund, der kleine Safa, den er über alles liebte, auf dem besten Wege war, sich mit einer Schlange anzufreunden. Er sah sich dieses Spiel noch eine Weile an und beschloss einzugreifen. Er musste dem Freund helfen, der offensichtlich nicht erkannte, worauf Tabea hinauswollte. Nur, Tabea war anders, sie war keine von diesen Giftschlangen, die Camix kennen gelernt hatte. Sie wollte auch auf gar nichts hinaus. Sie genoss es einfach, die Abende mit Safa zu verbringen und glaubte, ihm ein wenig Licht von ihrer hellen Welt in seine dunkle bringen zu können. Camix aber, der sie für hinterhältig hielt, und seinen Freund in Gefahr wähnte, versuchte sie zu vertreiben. Tabea war sehr verwundert über Camixens Verhalten, denn sie verstand nicht, warum Camix so handelte. Sie mochte ihn nicht, diesen resolut auftretenden Vogel und vermied jedes Gespräch mit ihm. Sie ignorierte ihn so gut es ging. Doch Camix wollte nicht ignoriert werden. Er hatte Angst um seinen Freund. So beschloss er kurzerhand eines Abends, Safa einfach abzuholen. Safa saß wie immer mit Tabea zusammen und sie erzählten und spielten und genossen das Beisammensein. Da kam Camix im Sturzflug vom Himmel herab und krallte sich den geliebten Freund. Mit offenem Munde sah Tabea zu, wie er ihn einfach mitnahm.

Verwirrt fragte Safa seinen großen Freund: „Was ist los, Camix? Warum verhältst du dich so merkwürdig?“ Liebevoll strich Camix ihm mit der Spitze seines schillernden Flügels über die zarten Fühler: „Ach, mein kleiner Safa, was weißt du schon von den Schlangen? Erinnerst du dich an Kisamka? Soll es denn wieder so enden? Sie wollen dich erdrücken, diese Biester. Heuchlerisch zeigen sie sich ganz harmlos und warten auf den richtigen Moment, dich in ihren Bann zu ziehen. Und am schlimmsten sind die, die ständig beteuern, sie wollen nichts Böses sondern nur ein wenig Gesellschaft. Glaub ihnen nicht, sei auf der Hut!“ Da bedankte sich Safa bei seinem Freund für dessen guten Rat. Er wollte nun ganz vorsichtig sein bei Tabea. Vielleicht war sie ja doch nicht ganz so schlimm wie Camix befürchtete, aber ein gewisses Maß an Zurückhaltung wäre wohl angebracht.

Tabea war verwirrt allein zurückgeblieben. Sie verstand überhaupt nicht, was da vor sich ging. Und es machte sie auch ein wenig wütend, wütend auf diesen schillernden Vogel. An diesem Abend ging sie traurig zurück in ihre Welt. Und irgendwie konnte sie sich gar nicht mehr an der Helle ihrer Welt erfreuen. Was war geschehen? Sie verstand es nicht. Aber sie spürte, dass sie mit Safa reden musste. Dass sie ihm erklären müsste, dass sie doch nur seine Gesellschaft wolle, dass sie sich daran erfreue und dass sie davon überzeugt sei, dass es auch für ihn eine Bereicherung sei. Ja, das wolle sie ihm morgen Abend erklären, und alles würde wieder gut werden.

Als sie vorsichtig am nächsten Abend wieder in den dunklen Wald ging, um Safa zu besuchen, fand sie diesen verändert. Er lag nicht gemütlich auf dem weichen Moos sondern hatte sich in sein Haus verkrochen. Wohl grüßte er sie freundlich und schien sich über ihren Besuch zu freuen, aber irgendetwas war anders. Tabea versuchte ganz vorsichtig, den armen Safa wieder aus seinem Haus herauszuziehen. Aber so sehr sie sich auch bemühte, er verkroch sich immer tiefer darin. Er empfand Tabea plötzlich als aufdringlich. So eng wollte er doch eigentlich gar nicht mit ihr befreundet sein. Er überlegte, wie er da jetzt wieder raus komme. Wie er Abstand gewinnen könnte, ohne Tabea zu verletzen. Denn ein wenig hatte er sie ja doch lieb gewonnen. Da begann Tabea ruhig und besonnen ihm alles zu erklären. So wie sie es sich am Abend vorher vorgenommen hatte. Kaum hörte Safa sie sagen: „….ich will wirklich nichts Böses, ich will nur ein wenig deine Gesellschaft genießen, …“, erinnerte er sich an Camixens Worte. Also hatte er doch Recht. Tabea war eine dieser gefährlichen Giftschlangen, die gekommen waren, um ihn zu erdrücken. Was sollte er jetzt bloß tun? Er konnte sie doch nicht vertreiben. Das brachte er nicht fertig. Er verhielt sich höflich aber immer auf Distanz. Tabea merkte das. Warum glaubte er ihr nur nicht? Sie musste es einfach noch deutlicher erklären. Vielleicht hatte sie sich missverständlich ausgedrückt. Wie konnte sie ahnen, dass jede ihrer Beteuerungen Safa immer weiter zurückdrängte, ihn immer mehr von ihr entfernte?

Da sie ihn aber auch irgendwie lieb gewonnen hatte und spürte, dass alles nur ein großes Missverständnis sein konnte, ging sie weiterhin jeden Abend in den Wald um den kleinen Safa zu treffen. Oft war er aber gar nicht mehr da und sie traf nur Idgo, Safas Freund. So verbrachte sie halt die langen Abende mit ihm. Langsam entstand auf diese Weise eine vertrauensvolle Freundschaft zwischen den beiden. Und ab und zu kam ja auch Safa noch dazu, und er war wie immer höflich und nett und gab Tabea keinen Grund zu glauben, dass er sie nicht mehr möge. Trotzdem lag da was in der Luft. Das war einfach nicht wegzuleugnen. Das spürte sie ganz deutlich. Und da sie ein sehr offenes Wesen hatte, und auf naive Weise mit jedem und allem unverblümt umging, wollte sie auch zu Safa ein einfaches und offenes Verhältnis, wo man nicht mit irgendeinem komischen Gefühl im Bauch dem anderen gegenüber tritt.

Safa seinerseits verstand nicht, warum Tabea so sehr darauf beharrte, alles zu erklären. Sie befürchtete wohl, er könne misstrauisch geworden sein und jetzt versuchte sie mit Gewalt, sein Vertrauen wieder zu gewinnen. Das war ihm einfach zu viel. Er mochte andere nur bis zu einem gewissen Punkt an sich heranlassen. Er lebte ganz gut so allein und hatte bewusst keinen so engen Lebensgefährten. Das muss Tabea doch merken, dass sie es einfach übertreibt. Gut, dass Camix ihn gewarnt hatte. Er beschloss, sich nun erst mal ganz in sein Haus zu verkriechen. Vielleicht würde Tabea ja dann endgültig abziehen. Jedenfalls werde er sicher nicht auf sie reinfallen.

Irgendwann kam Safa einfach nicht mehr zu ihren allabendlichen Treffen. Tabea fragte Idgo, aber auch der wusste nichts. Und als Camix eines Abends vorbei geflogen kam, fragte sie ihn, ob er vielleicht wisse, was mir Safa passiert sei. Camix rief von oben herab: „Tabea, gib auf! Er wird sich nicht von dir erdrücken lassen. Zieh ab und such dir ein anderes Opfer!“ Wie ein Schlag trafen Tabea diese Worte und sie begann bitterlich zu weinen. „Ach Tabea, das ist doch Unsinn!“, beruhigte sie Idgo. So ist Safa nicht, ich kenne ihn. Er kommt bestimmt bald wieder und alles wird wieder gut.“ Tabea war dankbar für die tröstlichen Worte des neu gewonnenen Freundes. Aber ob er wohl Recht hatte? Sie glaubte es nicht. Es wäre zu schön und zu einfach, um wahr zu sein. Sie fragte sich vielmehr, wie es hatte so weit kommen können. Was war denn eigentlich passiert? Nichts doch, außer dass sie ihm immer wieder hatte erklären wollen, dass sie ungefährlich sei. Sie hatte es wohl übertrieben. „Ich glaube, ich gebe auf.“, sagte sie zu Idgo, „es hat doch keinen Zweck mehr.“ „Aufgegeben wird nicht.“, war Idgos Antwort. Also gut, sie beschloss, noch etwas zu warten.

Und tatsächlich, als sie eines Abends wieder mal zu Idgo in den Wald kam, rief dieser ihr freudestrahlend schon von weitem entgegen: „Er ist wieder da! Safa ist zurückgekommen. Ich habe mit ihm gesprochen.“ Tabea freute sich, aber sie hatte auch Angst. Wenn er zu Idgo zurückgekommen war, dann musste das nicht unbedingt bedeuten, dass er auch zu ihr zurückkehren würde. Sie wartete, diesen Abend, den nächsten Abend. Und ihre Angst wurde immer größer. Es stimmte also doch, was Camix gesagt hatte. Zu allen war er zurückgekehrt, aber sie mied er ganz offensichtlich immer noch. Ach wenn sie doch nur mit reden könnte! Alles würde sich ganz leicht aufklären lassen. Aber er kam nicht.

Safa sah wohl, dass Tabea sich nicht verzogen hatte, und wusste nicht so recht, was er denn jetzt tun sollte. Warum war sie nur so hartnäckig? Was wollte sie denn von ihm? Es gab unendlich viele Schneckeriche in diesem Wald. Warum hatte sie es denn ausgerechnet auf ihn abgesehen? Er wollte sie irgendwie loswerden, aber er wollte sie ja eigentlich auch nicht verletzen. Auch wenn Camix ihn gewarnt hatte, so konnte er sich doch nicht sicher sein, ob Tabea wirklich eine von diesen hinterlistigen Schlangen war. Ratlos wartete er einfach ab. Die Zeit wird es an den Tag bringen.

Tabea aber hatte nicht so viel Geduld wie Safa. Sie musste Klarheit haben. Ein einziges Wort nur, ein kleines Zeichen, dass er sie nicht bodenlos verachtete und hasste! So konnte sie doch nicht einfach auf und davon, einfach so, ohne sich ausgesprochen zu haben. Nein, das konnte sie einfach nicht. Also fasste sie sich ein Herz und ging eines Morgens zu ihm. Er lag in sein Haus zurückgezogen da und schlief noch. Ganz vorsichtig klopfte sie an den dünnen Panzer. Tock, tock, tock. Er rührte sich nicht. Safa war spät schlafen gegangen und wollte endlich einmal ausschlafen. Sollen sie ihn doch alle mal …. Wer kommt denn so früh am Morgen? Eine Unverschämtheit! Tabea saß ratlos neben ihm. Nach einer Weile versuchte sie es einfach noch einmal. Tock, tock, tock. „Also das ist doch wirklich..“, grummelte Safa in sich hinein, streckte einen seiner hellgrauen Fühler heraus und tastete umher, um zu sehen, wer da sei. Tabea hielt den Atem an. Da! Jetzt berührte er sie und sie sprach seinen Namen. Blitzschnell zog er den Fühler wieder ein und regte sich nicht mehr. „Das schlägt doch jetzt dem Fass den Boden aus“, dachte er bei sich. „So eine Dreistigkeit! Wenn diese Schlange doch wenigstens ein wenig Taktgefühl besäße!“ Er rollte sich zusammen und schlief weiter. Tabea ging enttäuscht davon. Das hätte sie sich ja auch denken können. Wenn er bereit gewesen wäre, mit ihr zu reden, dann hätte er sich doch längst mal gemeldet. Also was sollte das Ganze überhaupt? Sie ärgerte sich über sich selbst.

Langsam schlängelte sie sich zurück durch den Wald. Da kam auf einmal Camix angeflogen. „Na, Tabea! So früh schon hier unterwegs?“, fragte er sie. „Ach, ich weiß nicht mehr weiter, Camix!“, und in ihrer Verzweiflung erzählte sie ihm ihr ganzes Leid. Camix sah sie schräg von der Seite an. Sollte diese Schlange vielleicht doch harmlos sein? Sollte er sich getäuscht haben? Den Freund zu Unrecht gewarnt haben? Er beschloss, diese Möglichkeit zumindest nicht auszuschließen, wenn er sie auch für sehr unwahrscheinlich hielt. „Ach, komm, Tabea. Kopf hoch!“, tröstete er sie. „Lass einfach mal eine Weile verstreichen. Dann wird sich alles wieder einrenken.“ Man sollte ihr wenigstens eine Chance geben, dachte Camix bei sich und flog wieder fort.

So ging Tabea allein zurück in ihre helle Welt, zurück zum Licht, das sie so liebte und von dem sie Safa so gern ein wenig abgegeben hätte.

Was sie nicht hatte ahnen können: Schnecken mögen keine Sonne. Sie sind die einzigen Wesen, die Sommerschlaf halten.

30.5.08 17:40

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Pit (5.6.08 10:11)
schönes Märchen!
und eigentlich mehr noch als ein Märchen.

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